Gipfelglücksrausch
Freundschaften sind das Salz in der Suppe des Lebens.
Eine ganz besondere Freundschaft pflegen Jana Guht und ich.
Aber dazu vielleicht einmal mehr in einem anderen Beitrag.
Heute freut es mich einfach nur, dass Jana bereit war einen Gastbeitrag für meine Webseite zu schreiben.
Sie ist leidenschaftliche Wintersportlerin und lässt uns teilhaben an Ihrer Sehnsucht nach Freiheit, Natur und Geschwindigkeit.
Passend zum Schneechaos wird es heute also winterlich.
Vielen Dank liebe Jana.
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***Gipfelglücksrausch***

Ein Hauch glitzernder Pulverschnee liegt locker auf der frisch präparierten Piste, die feinen Spurrillen der Pistenraupe bieten einen perfekten Untergrund, die Wolken liegen tief, wie ein Meer aus Watte füllen sie das Tal, die Sonne strahlt und erwärmt das bisschen Haut, das die klirrend kalte Luft berührt. Ein atemraubender Blick in die Ferne, die gepuderten Bergspitzen erheben sich aus dem Wolkenmeer und ergeben ein faszinierendes Panorama. Ein kräftiger Abstoß und schon gleiten wir lautlos über den Schnee, dessen oberste Schicht wie schimmernder Staub hinter uns in die Höhe wirbelt. Ein Schwung nach dem anderen. Angepasst an das Gelände. Links, rechts, hoch, runter. In Gedanken verloren und voll fokussiert auf die harmonische Bewegung ins Tal. Der Fahrtwind spült uns frei. Eins sein  – mit der Natur, mit sich selbst und einfach nur spüren und fühlen.

Du kennst dieses magische Gefühl?

Du erinnerst dich an diese besonderen Momente im Schnee?

Du spürst die Vorfreude, die sich bemerkbar macht, wenn du das liest?

Dann bist du womöglich Wintersportler. Ob ambitionierter Abfahrtsläufer, Freizeitsnowboarder oder Skitourengänger – die Liebe zum Wintersport basiert auf unterschiedlichen Motiven. Ich bin geradezu süchtig nach diesem einzigartigen Gefühl, dass sich in mir vor allem auf einsamen Pisten und gepaart mit diesem besonderen Geschwindigkeitsrausch ausbreitet. Andere mögen die Ruhe, wenn sie langsam und achtsam durch tief verschneite Winterwälder gleiten und wieder andere mögen den Trubel auf den Hütten und das Suchen der eigenen Spur auf belebten Talabfahrten und freuen sich auf die Einkehr nach Liftschluss. Aber allen ist gemein, dass sie die unzähligen Möglichkeiten lieben, die der Schnee und die Berge bieten. Es ist das Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit im Einklang mit der Natur.

Freiheit – ein brisantes Thema in der momentanen Situation, wobei dieser Blog frei von politisch und gesellschaftlicher Diskussion bleiben soll. Dennoch – dem Wintersportliebhaber  wird dieses Jahr etwas fehlen. Nämlich genau diese positiven Erlebnisse, das Freiheitsgefühl und all die magischen Momente. Sie sind verbunden mit einem Ausstoß an Glückshormonen, die so wichtig sind für unser Gemüt. Diese kleinen, unsichtbaren Botenstoffe haben in ihrem Zusammenspiel einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Je nach Situation werden u.a. Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin, Serotonin, Oxytocin und Endorphine freigesetzt. Klingt sehr chemisch, ist es auch. Aber es erklärt, warum wir durch besonders schöne Erlebnisse in einen Glücksrausch verfallen können. Ja, es braucht schon etwas Dopamin, das Antriebshormon, sowie Adrenalin und Noradrenalin, unsere „Muthormone“, wenn wir uns den körperlichen und mentalen Herausforderungen des Wintersports stellen und konzentriert sein wollen. Aber der Lohn – nämlich all die Endorphine, die unseren Körper nach bewältigter Abfahrt durchströmen und uns ein glückliches Lächeln ins Gesicht zaubern – ist unbezahlbar. Doch nicht nur das. Die Bewegung im Schnee, an der frischen Luft und in diesen besonderen Höhen wirkt sich nicht nur positiv auf unser seelisches Wohlbefinden aus, es fördert auch auf vielfältige Art und Weise unsere körperliche Gesundheit.
Denk man an die Kräftigung der Muskulatur und die damit einhergehenden, zahlreichen positiven Effekte wie die Stabilisierung unseres gesamten Bewegungsapparates, die Stärkung der Knochen sowie die Ausschüttung wichtiger Botenstoffe des Immunsystems. Auch unser Herz-Kreislauf-System wird durch die Belastung in der Höhenluft besonders gefordert und damit gefördert. Nicht zuletzt verbessern wir unsere Koordinativen Fähigkeiten und trainieren unsere Gleichgewichts-, Reaktions-, Kopplungs-, Differenzierungs- und die Kinästhetischen Differenzierungsfähigkeit. Hört sich kompliziert an, aber das Schöne ist, dass all das nebenbei, unbewusst, d.h. ohne besondere Aufmerksamkeit durch uns geschult wird.

Und darum ist es so verdammt schade, dass all das gerade nicht möglich ist, dass wir all diese positiven Effekte nicht nutzen können und vor allem, dass wir dieses eine, ganz besonders magische Gefühl – den Gipfelglücksrausch – nicht spüren können.

Aber: Statt weiter Trübsal zu blasen, gilt es nun Alternativen zu finden und auf der Suche nach Bewegung im Haus und zuhause ein bisschen kreativ zu werden. Wenn du dich also zu einer Runde Joggen im nahegelegenen Stadtpark alleine nicht aufraffen kannst, nutze doch eine App mit der Funktion für eine Team-Challange. Oder wie wäre es mit einem Online-Home-Workout, bei dem du statt evtl. nötiger Gewichte die Wasserkiste oder 5-Liter-Waschmittel-Flasche stemmst. Not macht erfinderisch.

Ich habe mir nun „schneevermissend“ gebrauchte Langlaufbretter gekauft und mich in die nächstgelegene Loipe gewagt – ein mutiger Schritt als ambitionierte, adrenalinsüchtige Abfahrtsläuferin. Da ich das Risiko jedoch genauso liebe wie neue Herausforderungen, darf ich mich nun über neue Erfahrungen und Lernfortschritte auf den Brettern in der Ebene freuen. Apropos freuen: da waren sie nun doch, die Glückshormone…

Also, bei all den Einschränkungen, die wir derzeit erleben, gilt es nun, neue Wege zu gehen, erfinderisch zu sein und Chancen zu nutzen – Loipenglück statt Gipfelglück.

 

Ski (…und was auch immer) heil!